Sea Challenge 2007 aus persönlicher Sicht
Text Andreas Thier, Fotos Andreas Thier und Sylvia Tack, 08/2007
Es läuft gut…
„Es läuft gut für Dich, wenn ich hinter Dir bin…“, sagt er mit ernster Miene als ich kurz über die Schulter nach hinten schaue. Mit einem Lächeln auf den Lippen blicke ich wieder nach vorne und paddele weiter. Schön gleichmäßig den Rhythmus halten. Die Augen wandern über die Wasseroberfläche, auf der Suche nach den richtigen Strömungswellen. Bloß nicht die mitlaufende Strömung verlieren.
Es ist der 01. August und wir befinden uns auf der vierten Etappe der diesjährigen Sea Challenge, auf dem Weg nach Bogense, etwa bei Seemeile sechs, im Sund bei Middelfahrt.
Den trockenen Humor meines dänischen Kielwasserverfolgers kenne und schätze ich bereits aus den letzten Jahren. Eigentlich wollte ich meinen Verfolger auffordern, anteilig Führungsarbeit zu leisten. Aber angesichts der Tatsache, dass er schon sehr ‚konzentriert’ atmet und ich gut zwanzig Jahre jünger bin, lasse ich davon ab. Klar es ist ein Rennen, aber dennoch fahren wir hier nur um ‚Ruhm und Ehre’ und natürlich für den persönlichen Spaß. Somit kann ich mit der Situation leben.
Nach Passieren des Leuchtturms Strib verebbt der Einfluß des mitlaufenden Stroms und es folgt zunächst eine unspektakuläre Passage zum nächsten Checkpoint. Die Teilnehmer sind aber alle wild auf’s Paddeln und das Tempo ist entsprechend hoch. Mein Verfolger fällt zurück, es bilden sich neue Allianzen. Bei auffrischendem W bis NW Wind geht es weiter in Richtung Bogense. Die Welle von schräg hinten ist unangenehm steil und kurz – und relativ hoch. Ich muss auf den letzten sechs Meilen Speed rausnehmen. Bei diesen Bedingungen fühle ich mich im ‚Inuk’ noch nicht sicher genug.
Die ein und andere kreative flache Stütze bewahrt mich vor einer Kenterung. Dadurch verliere ich auf dem letzten Teilstück gut zehn Minuten. Dennoch bin ich mit 04 h 07 min für 22,5 Seemeilen zufrieden.
(4. Etappe : 22,5 sm, 04:07:11 / Gesamtklassement (Turboote UND Seekajaks ) 35. von 81 / Seekajak 14. von 31)
Was bisher geschah
In den letzten Tagen vor dem Start der Sea Challenge gewinnt die Verfolgung der Wetterentwicklung zunehmend an Bedeutung. Unabhängig voneinander sind sich die verschiedenen Informationsquellen einig, dass es nicht gut aussieht. Eine typische Nordwestströmung verspricht Regen, Starkwind und mehr. Wir verwerfen den ursprünglichen Plan, dass Sylvia das Begleitprogramm ‚Rund Fünen per Fahrrad’ nutzt. Das Rad kommt dennoch mit, im eigenen Auto. Vielleicht bessert sich das Wetter im Laufe der Woche und ermöglicht wenigstens Tagestouren an den Etappenorten. Die Tatsache ein persönliches Begleitfahrzeug zu haben, ermöglicht ferner die Mitnahme eines zweiten Bootes. Somit kann der ‚Anas Acuta’, ein Westgrönlandkajak von Valley, für wirklich haarige Bedingungen mit. Ein ungeheurer, aber nicht unangenehmer Luxus.
Am Samstag, den 28.07. trudeln die Teilnehmer mit längerer Anreise auf dem Campingplatz Vindey am Svendborg Sund ein. Hier erfolgt am nächstem Tag der Start. Man findet schnell zusammen, schnackt und fachsimpelt in verschiedenen kleineren Runden mit alten Bekannten und neuen Leuten. Marcel aus der Schweiz verzeichnet mit Sicherheit die aufwändigste Anreise. Wolfgang aus Steinfurt, der Vorjahresgewinner im Seekajak ist auch wieder dabei. In diesem Jahr startet er in der Klasse der sogenannten Turkajaks. Jeder hat seine Herausforderungen und Ziele im Gepäck. Bei der vierten Sea Challenge sind sieben PaddlerInnen aus dem deutschsprachigen Raum am Start. Vielleicht finden sich zur fünfjährigen Jubiläumsveranstaltung noch einige Teilnehmer mehr ein.
1. Etappe
Der Start am Sonntag ist imposant. Die Meute der Kajaks quert den strömungsreichen Svendborg Sund zur ersten Bahnmarke. Das Wasser kocht. Die ersten zwei Meilen in dem Kabbelwasser des Sundes erfordern ein deutliches Maß an Konzentration. Auf Grund des frischen Windes habe ich mich für das Westgrönlandboot entschieden und versuche mich schön gleichmäßig auf die folgenden Etappen einzufahren. Letztendlich hätte ich von vorneherein, trotz des zunehmendes Windes, den Inuk einsetzen sollen. Aber bei einem einwöchigen Etappenrennen ist das nicht so dramatisch. Es wird entscheidend sein, wer in der zweiten Wochenhälfte noch genügend Körner hat…. So gesehen bin ich in Faaborg auch mit meinem Auftaktergebnis zufrieden.

(1. Etappe : 17 sm, 04:01:22 / Gesamtklassement 38. / Seekajak 13.)

2. Etappe
Die zweite Etappe von Faaborg nach Middelfart über 24 Seemeilen stellt die Rennleitung vor eine wichtige Entscheidung. Nachdem der Wind bereits im Verlauf des gestrigen Tages zugenommen hat, pendelt sich die Windstärke am frühen Morgen stabil bei 13-15 m/s (6-7 Bft) ein. Auf Grund des zum Teil exponierten Streckenverlaufes im Kleinen Belt fällt die Entscheidung, die Etappe aus Sicherheitsgründen nicht wie geplant zu starten.
Alternativ wird in der Faaborg Bucht ein fünf Seemeilen langer Rundkurs ausgesteckt, der dreimal durchfahren werden soll. Alle Teilnehmer gehen konform mit der Entscheidung, sind aber auch froh, doch noch auf’s Wasser zu kommen, um sich zu matchen.
Das Startsignal ertönt und der erste Abschnitt, voll gegenan, beginnt. Die Faaborg Bucht ist ideal vor SW bis NW Winden geschützt. Dennoch sind die Wellen sehr bemerkenswert. Heute sitze ich definitiv im richtigen Boot, im Westgrönlandkajak. Bei derart starkem Wind ist einfach brutale, pure Kraft gefragt. Das Feld zieht sich sehr schnell auseinander. Der Wind nimmt bereits in der ersten Phase des Rennens deutlich zu. Es ist sehr anstrengend. Aber insgeheim rechne ich mir bei den Bedingungen im Klassement einen deutlichen Sprung nach vorne aus. Bei diesen Bedingungen bin ich in meinem ‚Anas Acuta’ richtig zu Hause.
Auf dem Vorwindkurs wird aber bereits deutlich, dass neben etlichen Turbootfahrern auch einige Seekajaker deutlich überfordert sind. Bei dem folgenden Querwindkurs kommt es zu zahlreichen Kenterungen. Das Rennen wird abgebrochen. Die Sicherheit der Teilnehmer geht vor und es ist bereits schwierig genug alle Gekenterten zu bergen. Mittlerweile steht der Wind bei 22-23 m/s (8-9 Bft). Das Organisationsteam leistet einen wirklich guten Job. Nach dem Bergen und Aufwärmen der havarierten wird der Landtransport der Kajak-Armada und der Teilnehmer in Angriff genommen. Ziel der etwas längeren Portage : Assens.
(2. Etappe : Abbruch wegen zu starkem Wind.)
Es ist zum Mäusemelken (aber niemand findet so kleine Eimer). Während der Nacht rauscht der stürmische Wind über den Hafen und lässt selbst größere Segelyachten unter seiner Last krängen. Auch am Morgen ist keine Abschwächung in Sicht. Die Brandung läuft auf den Strand, die Wellen brechen mit Gischtfontänen an der Hafenmole.
3. Etappe
Heute ist nicht ans Paddeln zu denken. Die dritte Etappe von Assens nach Middelfart erfordert ebenfalls einen Landtransport. So hart hat es die Sea Challenge bisher noch nicht getroffen. Die Entscheidungen der Rennleitung sind jedoch in jedem Fall absolut in Ordnung. Und man muss ein Kompliment aussprechen, dass sie die die Landtransporte wirklich professionell abwickeln.
Im Laufe des Tages verspricht die Prognose immerhin Besserung. Es ist nicht mehr ganz so windig und die Sonne lässt sich auch wieder blicken. In der Lagune des Yachthafens wird die Meute zum Dinner verköstigt. Die morgendliche Enttäuschung weicht der Freude auf den bevorstehenden Paddeltag.
(3. Etappe : Gestrichen wegen Sturm)
4. Etappe
(Die vierte Etappe läuft dann wirklich gut ….siehe oben)


5. Etappe
Die fünfte Etappe ist wahrhaft die Königsetappe der der gesamten Sea Challenge. Auf die Teilnehmer warten über 44 lange Seemeilen (82 km). Ein viel zu großer Schlenker in der Dalby Bucht dehnt die die zu paddelnde Distanz deutlich gegenüber den Vorjahren (40,5 sm / 75 km) aus.



Berauscht von dem Flachwasserabschnitt des Vortages, an dem ich gut mit dem Feld der Turboote mitzocken konnte, gehe ich gleich anfangs ein hohes Tempo mit. Wohl ein zu hohes Tempo, wie sich nachher herausstellt. Es herrscht SE Wind mit etwa 5-6 m/s (3-4 Bft). Der Kurs führt an der Nordküste von Fünen entlang. Von Wellen kann keine Rede sein und die Temperatur ist angenehm. Es klingt nach idealen Bedingungen. Dennoch, der zwar nicht starke aber stetige Gegenwind und das hohe Tempo zollen Tribut. In den letzten zwei der bereits gefahrenen vier Stunden fällt mir das Paddeln zunehmend schwerer. Mein Tempo sackt kontinuierlich ab. Zudem sitze ich heute nicht gut im Boot. Beine und Knie schmerzen. Ich bin definitiv noch nicht richtig im Inuk angekommen. Es ärgert mich kolossal. Mehr Zeit mit dem Boot wäre notwendig gewesen. Das wird mit Sicherheit in der nächsten Vorbereitung grundlegend geändert.
Der Himmel zieht sich etwa zu. Der Wind frischt auf. Das war nicht prognostiziert. Wie stark wird er auffrischen ? Zudem können erfahrungsgemäß östliche Winde mit hoher Konstanz auch den Abend und die Nacht durch wehen. Von zahlreichen Segeltörns auf eigenem Kiel in diesem Revier weiß ich, was uns im Großen Belt und bei der Querung der Kerteminde Bucht erwarten wird. Unter Abwägung aller Parameter entscheide ich mich schweren Herzens bei dem nächsten Checkpoint die Etappe abzubrechen. Zum einen bin ich bereits ausgelaugt und zum anderen will ich das Risiko, der für mich im Inuk noch nicht souverän beherrschbaren Seeverhältnisse, vermeiden.
Gewiss eine schwere Entscheidung. Es ist viel schwerer ‚nein’ zu sagen, als weiterzumachen. Aber auch im Nachhinein ist sie für mich richtig. Ich habe schon so viel Zeit auf See verbracht, dass ich für mich realistisch beurteilen kann, wie weit ich gehen kann.
Das Gesamtklassement kann ich somit für mich abhaken. Die ‚Zeitstrafe’ für die nicht gefahrene Etappe beträgt in diesem Fall 15:00 Stunden. Verglichen mit etwa gleichstarken Paddlern, wäre ich etwa 11:30 bis 12:00 Stunden unterwegs gewesen (so ich denn überhaupt heil angekommen wäre…). Die Kröte von drei ‚verschenkten’ Stunden muss ich also schlucken.
(5. Etappe : 44 sm, 15:00 da Etappe nicht beendet / Fast 25 % der Teilnehmer sind nicht angetreten oder haben die Etappe abgebrochen.)
6. Etappe
Die sechste Etappe wird als Einzelzeitfahren von Kerteminde nach Nyborg ausgetragen. Die Startreihenfolge ergibt sich aus der umgekehrten Reihenfolge des Gesamtklassements. In Abständen von zwei Minuten geht es in den Großen Belt. Das Startprozedere ist publikumswirksam aufgezogen. Jeder Paddler wird über eine Lautsprecheranlage kurz vorgestellt, bevor er ins Rennen geschickt wird. Zahlreiche Urlauber verfolgen interessiert das Spektakel. Vor den Paddlern liegen 11,5 Seemeilen Großer Belt. Von schräg hinten schiebender NW Wind und leicht mitlaufender Strom sind eine gute Vorraussetzung für eine schnelle Fahrt. Die kurze Strecke bedeutet auch, dass man richtig Druck machen muss, um sich in der Tageswertung einen attraktiven Platz zu sichern. Die letzten fünf Sekunden bis zum Start werden laut ausgezählt und ab geht die Post.
Bei einem Zeitabstand von zwei Minuten hat man seinen Vordermann noch gut im Blick. Das motiviert mächtig, birgt allerdings auch die Gefahr der Überschätzung. Durch den gestrigen Ausstieg bin ich natürlich ausgeruht. Aber das geht einigen anderen auf der Bahn ja ähnlich. Durch die angerechneten 15:00 Stunden des Vortages starte ich nun nicht unbedingt unter den Schnellsten. Aber ich habe dennoch den Biss, im restlichen Rennen unbedingt noch gute Tagesplätze zu erpaddeln und lege entsprechend los. Die Paddelfrequenz ist hoch und der Druck auf dem Blatt ordentlich. Den Kurs wähle ich nicht zu dicht unter der Küste, um die Wellen besser ausnutzen zu können. Außerdem muss man höllisch aufpassen, nicht in Gegenstrombereiche (Nährstrom) zu kommen. Es läuft und läuft, macht riesigen Spaß und mit dem Inuk klappt es nun immer besser.
Die Distanz zum Vordermann schrumpft deutlich und ich lege noch etwas zu. Zwei Stunde knapp unter der anaeroben Schwelle sind zu machen, erfordern aber ein sensibles Finetuning, um sich nicht zu überzocken. Ich rausche am Vordermann vorbei und peile den Nächsten an. Klasse, das klappt wie am Schnürchen. Das Surfen ist genial. Surfen alleine reicht aber heute nicht um schnell zu sein. Schließlich schlafen die Konkurrenten nicht und surfen ebenfalls was das Zeug hält. Also gilt es regelmäßig so zu beschleunigen, dass ein Wellensystem durchbrochen wird, um in dem nächsten, vorderen weiter zu fahren. Im Laufe der Etappe überhole ich wohl so 10 – 12 Paddler. Auf dieser Etappe ist der Knoten mit dem Inuk endgültig geplatzt und wir sind nun richtig per Du. Eine tolle Erfahrung. Der achte Platz unter den Seekajaks lässt mich innerlich richtig breit grinsen.

(6. Etappe : 11,5 sm, 01:55:25 / Gesamtklassement 28. / Seekajak 8.)
Es läuft gut…
Im alten Fährhafen von Nyborg laufen die Vorbereitungen für die siebte und letzte Etappe nach Svendborg. Trinksystems, Energieriegel, Bananen uns sonst noch Wichtiges wird griffbereit gestaut. Die ersten Ruderboote und Kajaks befinden sich bereits auf dem Wasser. Vor der Hafenausfahrt liegt, friedlich wie selten, der Große Belt. Den Teilnehmern steht die 21 Seemeilen lange Schlussetappe bevor. Im morgendlichen Briefing war von SW 5-7 m/s bzw. 3-5 m/s dicht unter Land die Rede.
Das verspricht entspannte Bedingungen bei 3 Beaufort von schräg vorne.
Spätestens jetzt sollte man sich über seine eigene Taktik im Klaren sein. Geht man anfangs ein zu hohes Tempo mit, läuft man Gefahr, nach zwei Stunden platt zu sein. Paddelt man von Anfang an nur den eigenen Rhythmus, besteht die Gefahr, dass man den Anschluss an das Feld völlig verliert. Die Einschätzung der eigenen Tagesform und die der anderen Teilnehmer ist immens wichtig. Nach einer Woche sollte man einigermaßen wissen, wie wer paddelt. Man sucht sich vergleichbar, leistungsstarke Paddler und versucht, Allianzen in Form von kleinen Gruppen zu bilden. Wie beim Windschattenfahren im Radsport, kann eine Gruppe von Paddlern zusammen effizienter unterwegs sein, als Einzelfahrer.

Die Anfangsphase ist extrem spannend und wichtig für den Verlauf einer Etappe. Überzockt man sich, kann es sehr hart sein, überhaupt ins Ziel zu kommen. Alleine eine ungünstige Startposition kann durchaus den ein oder anderen Platz in der Tageswertung kosten, wenn man dadurch den Anschluss an eine passende Gruppe verpasst. An der Starlinie finde ich eine günstige Position und schon ertönt das Signal. Unverzüglich und äußerst geschickt formieren sich kleine Gruppen und pflügen durch das Wasser in Richtung Süden.

Ist es der Stallgeruch oder das Bewusstsein, dass nach dem bereits Geschafften nichts mehr wirklich Besorgniserregendes kommen kann ? Jedenfalls ist die Startphase bereits ausgesprochen kraftvoll und schnell. ‚Mensch hauen die hier rein’, denke ich mir. Bloß aufpassen und unterhalb der anaeroben Schwelle bleiben. Der Wind kommt zudem, entgegen der Prognose, mit etwa 7 m/s aus S bis SE. Wir fahren voll gegenan. Zu allem Überfluss steht auch der Strom gegen uns.
Die Gruppe, in der ich mich befinde, ist so flott, dass ich mir schon fast überlege mich auszuklinken. Und dennoch überholen uns ein paar Einzelfahrer und Kleingruppen. Also entscheide ich mich dran zu bleiben, bleibe aber äußerst aufmerksam für die Signale meines Körpers. Nach eineinhalb Stunden entschließe ich mich, einen kleinen Happen zu futtern. Keine Ahnung wie die Jungs das hier machen. Sie zocken ohne von vorneherein regelmäßig zu trinken und zu essen. Ist mir jetzt egal. Ich schere aus und nehme etwas Brennstoff zu mir. Obwohl das sehr schnell erledigt ist, reißt sofort ein Loch, dass sich nur schwer wieder schließen lässt. Immerhin folgen zwei Paddler meiner Initiative und wir können zusammen den Weg fortsetzen. Wahrscheinlich haben sie auch darauf gewartet, dass einfach jemand den Anfang macht. Ich halte jetzt konsequent meinen bewährten Rhythmus ein, jede halbe Stunde einen Schluck zu trinken und jede volle Stunde einen Snack zu nehmen.
Meine Mitstreiter lassen im weiteren Verlauf nach. Dreimal versuche ich sie zu motivieren, in meinem Kielwasser zufolgen, aber es scheint für sie nicht mehr zu gehen. Konsequent fahre ich nun meinen meinen Törn und werde in der zweiten Hälfte der Etappe immer schneller. Mittlerweile überhole ich etliche von den Turbooten, die anfangs regelrecht vorbei gedüst sind. Die Verhältnisse haben sich nun für mich gewendet und ich finde meine Taktik bestätig. Auf elf Uhr kommt eine Zweiergruppe ins Blickfeld. Und siehe da, ich entdecke meinen Mitstreiter von der vierten Etappe. Sie sind nun deutlich langsamer als ich, aber selbstverständlich gönne ich mir den Spaß, ein, zwei Minuten im Kielwasser zu fahren und dann zu sagen : „Hej es läuft echt gut für dich, wenn ich hinter dir bin…“ – Wir lachen beide und ich ziehe weiter meine Bahn. Vier oder fünf Seemeilen vor dem Ziel ziehe ich mit dem zweiten an den Start gegangenen Inuk von Nelo gleich. Wow, das beflügelt. So schnell bin ich noch nie bei einer Sea Challenge unterwegs gewesen. Wir belauern uns. Auf das Spielchen will ich mich aber gar nicht erst einlassen. Ich fühle mich noch gut und forciere das Tempo. Er muss abreißen lassen und ich versuche das Tempo bis zum Ziel so hoch zu halten, dass er zu frustriert ist, um noch einmal anzugreifen. Was ich nicht vermutet hätte, er erholt sich und kommt tatsächlich noch einmal ran. Auf den letzten zwei Seemeilen mit einem enormen Gegenstrom habe ich mich offenbar etwas überschätzt. Er greift an und ich kann absolut nicht mehr gegenhalten. Im Ziel hat er mehr dann letztendlich ein paar Bootslängen abgenommen. Wir lachen uns an und sind beide froh, im Ziel zu sein. Das war ein klasse Finish. Ich fühle, dass ich eine schnelle Etappe mit guter Taktik hingelegt habe und bin richtig glücklich. In der Tat ist der heutige Fünfte Platz unter den Seekajaks mein bestens Tagesergebnis. Mit dem Einlauf der verbleibenden Teilnehmer und der anschließenden Siegerehrung geht eine tolle Woche zu Ende.
(7. Etappe : 21 sm, 04:40:32, Gesamtklassement 26. / Seekajak 5.
Endergebnis : Gesamtklassement 46. / Seekajak 13.)
Natürlich gibt es bei dieser Veranstaltung offizielle, förmliche Sieger. Aber es gibt garantiert keine Verlierer. Jeder im Ziel ist ein persönlicher Gewinner. Im Ziel scheinen die Leiden und Anstrengungen vergessen und jeder hat diesen besonderen Glanz in den Augen.
Bei dem Rennen sind natürlich eine handvoll absoluter Spitzenfahrer mit von der Partie. Sie sieht man schon frisch geduscht, wenn man selber ins Ziel kommt. Aber es gibt keine Starallüren oder Berührungsängste. Und letztendlich ist eine Veranstaltung für ambitionierte, seefeste Breitensportler. Nur für die Cracks, ohne uns Freizeitsportler, gäbe es letztendlich keine Sea Challenge.
Mit vielen persönlichen Verabschiedungen und Verabredungen für die nächste Sea Challenge, wird der Heimweg angetreten. Die Gedanken kreisen bereits um die gezielte und noch effizientere Vorbereitung für die Zukunft. Für mich bedeutet dies vor allem, mehr oder am besten ausschließlich Inuk zu fahren, um auch bei richtigem Schietwetter im grünen Bereich zu sein.
Sollte sich jemand ‚herausgefordert’ für die Sea Challenge fühlen, kann er mich gerne anschnacken.
www.seachallengefyn.dk

(Weitere Fotos im Fotoalbum)