WOG Treffen
Juli 2009

Virtuelle Welt
Virtuelle Welten bieten mit Leichtigkeit das Potenzial Segen und Fluch zugleich zu sein. Foren gibt es zu allen möglichen und unmöglichen Themen. Die Kontakte und Informationsgewinnung in der Welt der Vernetzung können faszinierend sein, die Missachtung von Kommunikationsregeln manchmal kritisch.
Für mich persönlich liegt der wahre Wert virtueller Welten darin, dass sie geografische Distanzen überbrücken und der ‚Anbahnung der Realität’ dienen. Ich bin jedenfalls total neugierig auf die vielen Aktiven im ‚World-of-Guzzi Forum’.
Reale Welt
Die reale Welt trifft mich dann schonungslos und mit ihrer ganzen Wucht. Die Lufttemperatur liegt bei elf Grad, es weht stark aus Südwest und es regnet Katzen und Hunde. Auch der dritte Blick in den Wetterbericht macht das Wetter draußen nicht schöner. Ich rede mir noch ein, dass man freitagmorgens bestimmt besser durchkommt als an einem Feriensamstag und pelle mir die Regenhaut an.
Auf dem Weg zum Elbtunnel erwäge ich dann zweimal ernsthaft umzukehren. Dänemark dürfte derzeit völlig leer stehen, da die Dänen alle auf dem Weg in die Alpen sind. Für die knapp hundert Kilometer zum Elbtunnel benötige ich fast zwei Stunden. Nach drei Stunden liegen gerade mal 150 km hinter mir....und noch etwa 600 km vor mir. Ab Hannover wird es besser. Analog zur Abnahme von Regen und Verkehrsdichte, nimmt die Motordrehzahl zu. Nach fast zehn Stunden heißt es dann : „Sie haben ihr Ziel erreicht…“.
Live und in Farbe
Nach der kurzen Anmeldung bin ich „drin“ und entdecke auch sofort ein bekanntes Gesicht. Obwohl ich neu dabei bin, gibt es hier keine Berührungsängste. Neue Kontakte werden geknüpft und es entstehen witzige Aha-Effekte, wenn Nicknames aus dem Forum „enttarnt“ werden und man sich nun live und in Farbe gegenüber wiederfindet.

In den folgenden zwei Tagen wird gefachsimpelt, Benzin gequatscht aber auch einfach viel gelacht. Auch wenn manches Zweirad der Schwarzweißfilm-Ära entstammen mag, gibt es im Grunde genommen nahezu alle Farbnuancen, die die Motorradpalette hergibt. Und die FahrerInnen sind nicht weniger interessant als ihre Maschinen.


Die Pfalz

Pfalz bezeichnet geografisch ursprünglich die historische Kurpfalz in den heutigen Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland sowie im französischen Elsass. Mir ist die Pfalz gänzlich unbekannt und ich bin angenehm überrascht.

Norddeutsche Flachland-Topografie gewohnt, genieße ich die Möglichkeiten des dreidimensionalen Motorradfahrens auf der deutschen Weinstraße und im Pfälzer Wald. Hügel und Kurven lassen mein Herz höher schlagen und entschädigen für die langatmige Anreise.

Vielen, vielen Danke….
…(frei nach Torfrock) an die Organisatoren und an die vielen helfenden Hände, sowie an die noch junge Band Minor Road. Ihr ward echt klasse. Gerade der nicht-kommerzielle Charakter solcher Veranstaltungen macht für mich den Reiz der Szene aus.




Bei manchen Unkenrufen der Fachpresse beschleicht mich die Sorge um den Fortbestand der Traditionsmarke aus Mandello del Lario.Aber andererseits bin ich vielleicht auch etwas froh, dass Moto Guzzi eben nicht 330.000 Motorräder pro Jahr verkauft und professionelle aber unpersönliche und seelenlose „Events“ verkauft.
Tradition bedeutet vielleicht, nicht die Asche mit sich zu tragen, sondern das Feuer weiterzugeben.


Rücktörn
Die ersten Schlafsäcke rascheln und Zeltreißverschlüsse surren durch den Sonntagmorgen. Ich komme langsam zu mir und genieße noch etwas die wohlige Wärme. Als plötzlich die ersten Regentropfen das Zeltdach treffen bin ich jedoch sofort hellwach. Zügig hüpfe ich aus dem Schlafsack und packe rasch alles zusammen, um nicht im dicken Regen rumwuseln zu müssen.
Nach dem guten Frühstück im Vereinsheim heißt es Abschied nehmen. Bestimmt sieht man sich hier und da wieder. Dann rein in die Regenpelle und „on the road again“. In Bad Homburg habe ich noch die Gelegenheit zu einem gemütlichen Käffchen bei einer guten Bekannten. Dann folgt der 600 km Endspurt. Überraschender Weise bleibt es bis 100 km südlich von Hamburg trocken. Bei dem letzten Tankstop stoße ich auf einige skandinavische Motorradfahrer, die auf dem Heimweg sind. Auch sie sind nicht so wirklich davon begeistert, die Regenanzüge wieder zu aktivieren. Die Autofahrer schauen uns so verstört an, als seien wir ein Haufen einbeinig, hüpfender seltsam gekleideter Außerirdischer. Irgendwann ist dann auch der letzte mehr oder weniger wasserresistent verpackt.
Ich komme noch mit dem Sohnemann eines norwegisches Vater-Sohn Teams ins Gespräch. Während Vattern was zu Futtern besorgt, steht der elfjährige Junge lässig neben Papas Moped. Wir tauschen uns auf Englisch aus und er berichtet mit großen Augen von der Tour ans Mittelmeer. Seine Lederkombi ist noch etwas zu groß, aber er wächst gerade richtig aus sich heraus und ich habe das Gefühl, dass er es das so richtig cool findet, so von Biker zu Biker. Und ehrlich, ich finde den Lütten tatsächlich auch wirklich richtig cool.
Wenn das nicht der Motorradnachwuchs von morgen ist….
(weitere Fotos im Fotoalbum)