
GAZELLE Training
Noch eine GAZELLE mit Geschichte
GAZELLE als Fahrradproduzent
ist schon eine eigene Geschichte für sich. In der Firmenchronik heißt es : Als Willem Kölling, Postamtsleiter in Dieren, 1892 beschloss, einen Fahrradhandel zu eröffnen, erklärten ihn alle für verrückt. Er erkannte jedoch als einer der Ersten das Potenzial dieses neuen Verkehrsmittels. Er fing ganz vorsichtig an und bestellte in England erstmal nur ein Fahrrad. Da das Geschäft schnell wuchs, tat er sich mit schon bald mit dem Schmied Rudolf Arentsen zusammen. Den Namen GAZELLE verwendeten die beiden erstmalig 1902.
Aus dem Zwei-Mann-Betrieb mit drei verkauften Rädern in 1892 entwickelte sich die größte Fahrradfirma der Niederlande. Gegenwärtig fertigen 550 Mitarbeiter in Dieren rund 350.000 Räder pro Jahr. Das hundertjährige Jubiläum 1992 fiel mit der Produktion des acht millionsten Fahrrads zusammen. Zudem verlieh Prinzessin Margriet dem Unternehmen zu ehren seines 100-jährigen Bestehens das Prädikat "Königlich" (Firmenchronik). Insgesamt wurden bisher über 13 Millionen Räder verkauft.
Bemerkenswert ist in jedem Fall die Qualität der GAZELLE Fahrräder. Selbst alte Hasen wie der Rahmenbauer Rickert aus Dortmund zollten der exzellenten Qualität der gemufften und handgefertigten Stahlrahmen hohen Respekt. Leider wurde am 01. Juni 2006 die Produktion von Stahlrahmen am Standort Dieren eingestellt.
Über die Firmengeschichte hinaus ist der oben abgebildete GAZELLE-Rahmen zudem mit einer ganz persönlichen Geschichte verbunden. Ursprünglich als Cross-Rad konzipert, wurde der Rahmen mit entsprechenden Anlötteilen und Gewinden zum Reiserad gerüstet. Der hier vorgestellte 531er Reynolds-Rahmen ist in seinem ersten Leben auf vielen Reisekilometern mit Gepäck im Einsatz gewesen. Es ist das Rad meines Vaters. Meine Mutter setzte ein baugleiches Rad mit kleinerem Rahmen ein. Zusammen waren sie viel im Mittelmeeraum unterwegs.

Meine Eltern mit ihren GAZELLEn in der Türkei, 1987
Nun wird sicherlich deutlich, warum es mir eine besondere Herzensangelegenheit ist, den Rahmen zu einem Starrgang-Trainingsrad (Schutzblechmontage möglich) umrüsten zu dürfen. Aufgrund der klassischen, langen Ausfallenden ist dies nämlich machbar. Besonders faszinierend ist auch der Gedanke was man mit einem betagten Stahlrahmen noch so alles anstellen kann. (Ob dies mit einem 25 Jahre alten Carbonrahmen auch möglich sein wird ???)

Unterwegs auf Landstraßen in der Türkei, 1987
Der Geist des Langstreckenpedalierens wird sicherlich auch das heimische Training beflügeln.
Fotos vom komplettierten Trainingsrad folgen in Kürze...
Rezept für Starrgangrad
Zutaten :

1 guter alter Stahlrahmen
1 Kiste mit Teilen
2 Stunden kalte Finger

und fertig* ist der 4schrötige Klassiker für alle Fälle
und vor allem für (fast) alle widrigen Wetterverhältnisse.

Die Universalität der alten Stahlrahmen liegt u.a. in den langen Ausfallenden

Klassisch

Verzögerungszange

Handarbeit
Viereinhalb harte Wintermonate nach der Wiederinbetriebnahme hat das Rad bereits etwas über 2.000 Kilometer zurückgelegt. Das Konzept als Wintertrainingsrad ist voll aufgegangen.

Nach fast 5.000 Trainingskilometern, vorwiegend bei Schietwetter,
erhält die Trainings-Gazelle
einen französischen Moustache-Lenkbügel...

...und verwandelt sich in ein ausgesprochen elegantes Sportrad.

In Verbindung mit einer englischen Carradice Satteltasche...

...erlangt das Rad echte Alltagstauglichkeit...

...und bleibt ein stilistischer Hingucker...

...für das flotte Radeln in Zivil.