
L'Eroica 2013
Radrundfahrt für stählerne Räder und Waden
L'Eroica bedeutet soviel wie 'die Heroische'. Es ist eine Hommage an die Heroen des Radsprts vergangender Tage, in denen die Räder noch aus Stahl und die Straßen größtenteils unbefestigt waren. Gleichzeitig sollen die für die Toskana typischen strade bianche gewürdigt werden. Zur Wahl stehen Runden zu 38/75/135/205 km. In jedem Fall besteht etwa die Hälfte der Strecke aus weißem Schotter und ist nicht immer ganz leicht zu befahren. Im Verlauf der 205 km Langstrecke sind zudem rund 3.800 Höhenmeter zu bewältigen. Die Besonderheiten des Reglements sehen vor, dass die Rennrahmen aus Stahl gebaut sein müssen, nicht älter als 1987 sein dürfen und jegliche moderne Komponenten nicht zugelassen sind. D.h. Klickpedale, Bremsschalthebel und am Lenker verlegte Bremszüge sind nicht gestattet. Ferner müssen die Fahrer stilgerecht gekleidet sein. Es ist also hilfreich, wenn man keine Wollallergie hat...

Noch ein paar letzte Meter bergauf und die Passhöhe ist erreicht. Die Augen lachen hinter der Sonnenbrille mit der Sonne um die Wette und irgendwie stellt sich das Gefühl ein, den Alltag weit hinter sich gelassen zu haben. Gleichzeitig wächst auch eine gewisse Spannung. Es ist dieser besondere Tonus, den man für sportliche Herausforderungen benötigt. Alles in allem ein angenehmes Gefühl.
Noch sitze ich im Auto und befinde mich auf der Anreise zur L'Eroica, einer Radsportveranstaltung der etwas anderen Art. Der Scheitelpunkt des Brenners liegt nun hinter mir und ich lege die CD "Giro", music inspired by the Giro d'Italia, ein. Es gibt wohl kaum eine bessere Einstimmung zum Rennradfahren in Italien, als diese mal von Rapha vertriebene Musikzusammenstellung.
Mit "Di Provenza il Mar" aus La Traviata geht es den Brenner hinab. Gefolgt von "Bartali", gesungen von Poalo Conte. Ist das Leben herrlich! Ich freue mich selber über die gute Stimmung, denn die Anreise ist nicht gerade eine Kleinigkeit. Auch wenn die direkte Distanz im alten Diercke Schulatlas nur sieben Zentimeter beträgt, darf man nicht vergessen, dass der Maßstab eins zu achtzehn Millionen beträgt. Immerhin; fünf Zentimeter liegen bereits hinter mir.
Nach der Querung der unendlich wirkenden Po Ebene geht es auf der Autostrada durch die Berge des nördlichen Apennin ausgesprochen sportlich zu. Mit Überschreiten der Wasserscheide, scheinen europäische Verkehrsregeln eher den Charakter von Empfehlungen anzunehmen. Jedenfalls donnern die Lkw mit bis zu 120 km/h talwärts.
Irgendwann erreiche ich die passende geografische Breite, verlasse die Autostrada und tauche in die zentrale Toskana ein. Zwei Wahrnehmungen drängen sich unmittelbar auf. Die Landschaft ist bezaubernd und vor allem frei von Geraden und Ebenen. Zugegebener Weise ist das mit dem entsprechenden Automobil nicht gerade unspaßig, aber mich beschleicht zunehmend die Vorahnung, dass die L'Eroica keine Spazierfahrt wird. Ganz so knackig habe ich mir das ehrlich gesagt nicht vorgestellt.

Ich versuche zunächst die Gedanken an das Bevorstehende zu verdrängen, was jedoch nur mehr schlecht als recht gelingt, wenn man auf manchen Straßenabschnitten nicht über den zweiten Gang (des Autos !) hinauskommt. Die Streckenführung weist ausgesprochen harte Anstiege auf. Und manchmal liegen nur zwei bis drei Fahrzeuglängen zwischen zwei Serpentinen.
Um so erfreuter stellt sich das Gefühl des Angekommenseins ein, als ich Castelvecchi erreiche, einst das größte Weingut der Chianti Region und nun meine Unterkunft für die nächsten Tage. Unmittelbar stoße ich auf zwei Dänen, die den selben Plan verfolgen. Zusammen präparieren wir die Stahlrösser. Wie schön, dass es genug Verrückte in der Welt gibt, die sich auf Anhieb verstehen.

Hinter mächtigen Mauern, die jeglichen Mobilfunkkontakt unterbinden, kreiseln mich die Gedanken um die fordernde Streckenführung in einen wunderbar tiefen Schlaf. Das Frühstück des folgenden Tages gestaltet sich mächtig radlastig. Einige Briten haben sich ebenfalls in Castelvecchi einquartiert und so entstehen interessante Gesprächsrunden, in denen die Novizen den Veteranen lauschen.
Bevor ich weitere Aktivitäten starte, gönne ich meiner Gazelle einen Ausblick auf die Hügel der Toskana, sowie deren legendären strade bianche. Außerdem will ich natürlich sicher gehen, dass alles einwandfrei funktioniert.


Anschließend geht es per Auto in das etwa 17 km entfernte Gaiole. Es ist Freitag und am Sonntag (06.10.) startet dort die L'Eroica. Aus der Ferne betrachtet scheint es sich um ein verschlafenes Örtchen irgendwo in der Toskana zu handeln.

Neugierig schlendere ich auf den Ortskern zu. Und plötzlich befinde ich mich im Mittelpunkt des Universums von stählernen Rennmaschinen und bunten Wolltrikots. Die Protagonisten sind nicht weniger bunt als ihre Sportbekleidung. Begeisternde Technik und glänzende Komponenten sorgen für glänzende Augen bei den Betrachtern. Welch wunderbare farbenfrohe Welt. Sollte jemand Zweifel haben, wo das Herz der Menschen besonders stark für den Straßenradsport schlägt, dem sei ein Besuch beim örtlichen Metzger empfohlen.
Bei einigen Teilnehmern stimmt der Auftritt bis ins Detail. So zum Beispiel bei der "Scuderia Hamburgo", die sogar mit ihrem authentischen Peugeot Teamfahrzeug vor Ort ist. Chapeau !


Aus der Szene italienischer Motorräder ist mir durchaus Einiges, auch Anitquiertes bekannt. Aber was ich hier in Gaiole erlebe, ist viel abgefahrener. Zum Glück bin ich, für italienische Verhältnisse, relativ früh vor Ort und habe somit die Gelegenheit ein paar Fotos zu schießen. Wenig später wimmelt es derart vor Radbegeisterten, dass kaum mehr an Fotografieren zu denken ist.
Noch nie habe ich eine derartige Fülle von wunderschönen Stahlrahmen und Retro-Komponenten gesehen. Manche Teile sind sehr von den Jahren gezeichnet, aber es gibt auch ausgezeichnetes Material. Die (Start-)Preise sind zwar ebenso sportlich wie das ganze Umfeld, intensives Handeln ist jedoch nahezu eine Pflicht. Ich entdecke die ein oder andere Spezialität, die sich möglicherweise nördlich der Alpen nur mit großen Schwierigkeiten oder gar nicht beschaffen lässt. Ja, natürlich gönne auch ich mir Liebhaberteile. Und überhaupt. Es ist, glaube ich, auch gar nicht erlaubt, nichts zu kaufen....smile.



Die Stimmung ist großartig, alle haben diesen bestimmten, beseelten Gesichtausdruck und irgendwie schwebt über ganz Gaiole die besondere Atmosphäre komplizenhafter Verbundenheit. Man schaut, staunt, schnackt und lernt wirklich interessante Typen kennen.

Nebenbei drängen sich jede Menge Inspirationen (und Teile) auf, um zukünftig ein altes (Gazelle) Rad stilecht zu gestalten. Doch dazu vielleicht an anderer Stelle mehr...


Nahezu zwangsläufig lande ich gegen Mittag am Stand von Marco Mori. Marco stammt aus der Toskana und betreibt in UK die kleine aber sehr feine Rennradreiseagentur www.gustocycling.com. Marco ist quasi meine Eintrittskarte zur L'Eroica. Über die Veranstaltung im Jahr zuvor hatte ich gelesen, dass die Teilnehmerzahl auf 3.500 Radler beschränkt war, wobei nur rund 800 Startplätze für Nicht-Italiener zur Verfügung standen. An einem Stichtag im März wurde um 00:00 die Online-Anmelde-Plattform eröffnet und keine 15 Minuten später sollen alle (!) Plätze vergeben gewesen sein. Das Risiko keinen Startplatz zu ergattern wollte ich keineswegs eingehen. Auf der Suche nach einer Lösung stieß ich auf Marco. Er verfügt über ein gewisses Kontingent an Startplätzen und bietet hervorragend organisierte Komplettpakete mit Übernachtung an. Auf diesem Weg bin ich in dem hochgradig romantischen Castelvecchi gelandet.
Nun stehe ich an seinem Stand und lerne ihn und seine Crew endlich persönlich kennen. Alles sehr sympathische und engagierte Typen. Marco selber wird morgen auch auf's Rad steigen und immerhin die 75 km Runde fahren. Der Nachmittag vergeht mit ausgelassener Stimmung in der Gesellschaft von interessanten Radfahrern und noch interessanteren Geschichten.
Gesteigert wird dies dann tatsächlich noch in Form eines abendlichen Zusammenseins in einem historischen Gemäuer auf dem Land. Es ist das von Marco organisierte Dinner für seine Kunden. Der Anteil der Teilnehmer von der britischen Insel liegt wohl bei 95 %. Ich genieße es außerordentlich. Die anwesenden Briten und Iren sind nicht nur echte Sportsleute, sie lieben auch Gesellschaft und gepflegte Konversation. Ein sehr schöner und wirklich stilvoller Abend.
Lange unterhalte ich mich mit einem 56 jährigen Nordiren, der in seiner Jugend Rennen an der Seite von Stephen Roche gefahren ist. Ironman Triathlon Distanzen überwindet er deutlich unter zwölf Stunden. Sein Schwimmtraining absolviert er vor der rauen Küste im offenen Meer, während seine, hier ebenfalls anwesende Frau, ihn im Seekajak begleitet. Wie herrlich. Das sind Menschen nach meinem Geschmack. Macher und keine Carbonfelgenschnacker. Für 2015 peilt er die nur alle vier Jahre ausgetragene Radfernfahrt Paris-Brest-Paris an. Für Nicht-Insider, es handelt sich um eine 1.200 km lange mehr oder weniger Nonstop-Fahrt. (Wer weiß ? Treffen wir uns vielleicht dort wieder ?)
Zum Abschluss des phantastischen Abends weist Marco noch auf die L'Eroica Britannia hin, die er zusammen mit andern Enthusiasten für 2014 auf die Beine stellt. Menno sechs Wochen Jahresurlaub sind doch irgendwie viel zuwenig, geht es mir spontan durch den Kopf.
Bei einem guten Glas Chianti Classico lasse ich später auf Castelvecchi den Abend ausklingen. Die vielen Eindrücke und Kontakte schwingen nach, machen ein richtig gutes Gefühl und begleiten mich allmählich ins Land der Träume. Einzig ein Gedanke läßt mich nicht los und beschäftigt mich unterbewußt weiter. Ich habe etliche knorrige Typen getroffen, die schon einiges auf dem Rad absolviert haben. Aber es war niemand dabei, der ebenfalls die 205 km Runde angehen will...
Infernalische Donnerschläge und Blitze, die selbst mein kleines Zimmer mit den Fensterausschnitten in einhundert Zentimeter starkem Mauerwerk taghell ausleuchten, wecken mich mitten in der Nacht aus wohligen Träumen. Gut, dass morgen erst Samstag ist und die L'Eroica erst Sonntag startet, beruhige ich mich selbst und lande wieder im Land der Träume.
Das Frühstück mit den britischen Kunden von Marco wird fast zu einem ausgedehnten Brunch. Es regnet noch immer stark und niemanden zieht es hinaus. Die Burschen haben eben alle ganz schön etwas auf ihrem radsportlichen Kerbholz und die Gesprächsrunden sind dementsprechend hochinteressant. Und sie sind wirklich hörenswert. Zudem sind die Briten keine Aufschneider, sondern vielmehr Meister des Understatements, wobei sie mit ihrem typischen Humor auch herrlich über sich selbst lachen können.
Im Laufe des Vormittags bröckelt die Gruppe dann doch auseinander. Auch ich fahre mit dem Auto nach Gaiole und versuche den Tag einigermaßen trocken zu verbingen, was nicht gerade einfach ist. Gaiole verfügt definitiv nicht über 3.000 bis 5.000 Café-Bar- und Bistroplätze. Ein Tipp ist die kleine Radausstellung im Gemeindehaus. Kostenlos, warm und trocken...smile. Auch hier ist Fausto Coppi, der alte Meister, präsent.

Es regnet ununterbrochen. Die Straßen in Gaiole verwandeln sich in Sturzbäche. Normalerweise bin ich nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Aber das Wetter knabbert nun auch an meiner mentalen Verfassung. Vor fast genau einem Jahr habe ich von der L'Eroica erfahren und den spontanen Entschluss gefasst - da will ich mitfahren. Rund füntausend Trainingskilometer hatte ich mir verordnet, zehntausend sind es geworden. Bereits im Juni bin beim 24 Stunden Rennen von Nortorf gestartet und mit 504 km 27. von knapp 130 Konkurrenten geworden. Aber nun fällt es nicht ganz leicht, eine gewisse Enttäuschung zu unterdrücken. Ich hätte nie vermutet, dass ich gewissermaßen die härteste Zeit der Saison eben nicht im Sattel verbringe.
Beim Versuch einzuschlafen, bleiben die Gedanken noch lange bei der Strecke und dem Profil hängen. Wie wird der morgige Tag ? Bessert sich das Wetter tatsächlich, wie es der Wetterbericht prophezeit ? Wie ist die 205 km Strecke beschaffen ? Vor allem der Schotteranteil von 50 % erscheint schwer einschätzbar. Wie lassen sich unter diesen Bedingungen die 3.800 Höhenmeter bewältigen ?

Sicher bin ich auf dem Rad nicht ganz unerfahren, aber ich muss zugeben, dass es mir sehr schwer fällt einzuschlafen. Ich bin ähnlich aufgeregt wie vor meinem ersten Trondheim-Oslo Start (vor rund dreißig Jahren) und versuche mich mit Gedanken an meine Nordkap-Tour zu beruhigen. Da hat mich meine tapfere Gazelle sogar mit Zelt und Schlafsack im Gepäck, den noch nicht asphaltierten, geschotterten Trollstiegen hinaufgetragen. Aber das war 1984...
Mitten in der Nacht reißt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Noch bevor ich vorsichtig die Augen öffne, registriere ich, dass kein Regen an die Scheibe trommelt. Na das läßt ja hoffen. Das Startfenster für die Langstreckler liegt zwischen 0500 und 0700. Ich möchte früh dabei sein und nach einem improvisierten aber gehaltvollen Frühstück lege ich, mit der Gazelle im Auto, die 17 km nach Gaiole zurück.
Bereits vor dem Ort reihe ich mich auf einem Grünstreifen an der Ausfallstraße in die parkenden Fahrzeuge der Teilnehmer ein. Die Organisatoren machen wirklich einen guten Job, aber ich möchte in jedem Fall vermeiden durch Gaiole zu kurven und zeitraubend nach einem Parkplatz Ausschau zu halten. In stockfinsterer Nacht baue ich mein Rad zusammen (zum Glück kennen wir uns ja schon länger...smile). Die Gretchenfrage liegt natürlich in der Wahl der Bekleidung. Ich entscheide mich gegen die Beinlinge und schmiere die Beine ordentlich mit Muskelöl ein. Das müsste ausreichend Wärme geben bis die Sonne aufgeht. Die Regenjacke kommt sicherheitshalber mit.
Dann radel ich durch die Dunkelheit in den Ort. Ich bin verwundert wie umtriebig es dort schon ist und reihe mich in der Füßgängerzone von Gaiole in die Schlange der wartenden Starter ein. Es geht etwas zäh voran, da es quasi Einzelstarts sind und vorher die Räder und Fahrerausrüstung abgenommen wird. Aber das ist überhaupt nicht schlimm. Ich komme mit anderen Fahrern ins Gespräch und es liegt eine große Spannung in der Luft. Großartig. Besonders nett unterhalte ich mich mit Davide aus Verona. Er fährt ein wunderschönes Legnano Rad im typischen Grün. Davide ist die L'Eroica bereits gefahren und gibt mir wertvolle Tipps. Er ist gut fünfzehn Jahre jünger als ich, aber auch er läßt es mit der 135 km Runde gut sein. Egal, da (muss) will ich nun durch. Wir haben einen guten Draht zueinander und beschließen soweit es geht zusammen zu fahren.

Um 05:40 erhalten wir den Stempel in die Wertungskarte und es geht los. Ich bin immer sehr zurückhaltend mit der Verwendung des Begriffes "Abenteuer". Das hier scheint jedoch wahrhaft in die Kategorie 'Wagnis mit ungewissem Ausgang' zu gehören. Rasch liegt der kleine Ort hinter uns und eine lange Kette von weißen und roten Lichtern verliert sich in der Dunkelheit. Die Luft ist geschwängert mit den Aromen unterschiedlichster Muskelölprodukte. Das Surren der Ketten und Freiläufe ist deutlicher zu vernehmen, als die die Straße zu erahnen.
Schnell findet sich eine größere Gruppe zusammen. Das Tempo ist nicht all zu hoch und erscheint mir angesichts der vor uns liegenden Strecke angemessen vernünftig. Der Austausch mit Davide ist erfrischend und wir lachen über die ein oder andere Episode. Die Gruppe bleibt so dicht zusammen, wie eine Herde Schafe im Wintersturm. Es hat irgendwie etwas von Schicksalsgemeinschaft. Wahrscheinlich hat wohl auch niemand Lust alleine durch die Dunkelheit zu strampeln. Richtig begeistert bin ich von der Gruppendisziplin, was ja auch gerade beim Fahren im Dunkeln wichtig ist. Daran könnte sich manch deutscher RTF-Fahrer ein Beispiel nehmen. Nun ja, die Iatliener sind eben Routiniers auf zwei Rädern.
Nach etwa sechs Kilometern leicht abschüssiger Fahrt verspringt die Strecke plötzlich in einen Waldweg, der maximal die Breite für einen FIAT 500 hat. Gleichzeitig endet das Asphaltband. Die erste Steigung beginnt. Und es ist gleichzeitig die erste Steigung auf losem Untergrund. Dieser plötzliche Wechsel sprengt abrupt die Gruppe. Etliche Fahrer verschätzen sich und schalten nicht rechtzeitig, was sie in erste Schwierigkeiten bringt. Jeder ringt im Schein seiner Lampe darum, nicht im tieferen Schotter fahren zu müssen. Spätestens hier wird mir bewußt wie funzelig meine Lichtanlage ist. Manch ein Teilnehmer hat gefühlt die Leuchtkraft eines H4-Scheinwerfers zur Verfügung.
Es wird wuselig und manchmal wirklich eng auf dem Weg. Die Strecke ist derart steil, dass man nicht einen Tritt auslassen könnte, ohne zum Stehen zu kommen. Das ist wirklich nicht ohne und verlangt gutes Geschick. Im Slalom fahre ich um Fahrer, die nicht die richtige Übersetzung fahren oder sich im tiefen Schotter versteuert haben. Bloß nicht stehenbleiben und neu antreten müssen. Wow ! So etwas habe ich noch nicht erlebt. Sicherheitshalber lockere ich einen Pedalriemen, um gegebenfalls einen Fuß auf den Boden bringen zu können, falls mir mal der Weg versperrt sein sollte. Man darf ja nicht vergessen, dass wir hier keine modernen Klickpedale, sondern klassische Pedalkäfige mit Lederriemen fahren.
Nach zweihundert Höhenmetern in waldiger Dunkelheit ist der erste Scheitelpunkt erreicht. Die folgende Schotterabfahrt empfinde ich fast anstrengender als den Anstieg. Rund dreihundert Höhenmeter fällt die äußerst holprige Strecke hinab. Ich bin moderat unterwegs und staune wie sich manch ein Fahrer zu Tal stürzt. Die Italos sind ohne Zweifel exzellente Abfahrer. Auch Davide, den ich im Anstieg aus den Augen verloren habe, holt mich wieder ein. Wir setzen die Fahrt zusammen fort, was immerhin bedeutet, dass ich deutlich forscher ran muss. Beim heimatlichen Training, alleine oder zu zweit, bin ich bekennender Helmmuffel. Aber wenn es eine Strecke gibt, die einen Helm rechtfertigt, dann wohl diese, geht es mit durch den Kopf. Ich bin ohne Helm unterwegs. An der Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass es noch immer stockdunkel ist. Entsprechend hoch ist die Konzentration.
Wohl noch nie habe ich einen Sonnenaufgang so sehr herbei gesehnt wie diesen. Das Lichtspiel in der toskanischen Hügellandschaft ist dann auch eine echte Belohnung für die Mühen in der Dunkelheit. Das Licht ist Balsam für die Seele und die Strahlen der Sonne bringen wohlige wärme für den Körper.

In den Anfängen des Radsportes wurden den Fahrern mörderische Distanzen abverlangt. Ohne Schaltung, auf Schotterstraßen startete das Peleton dann in der Regel früh morgens in der Dunkelheit und erreichte das Ziel erst weit nach Sonnenuntergang.
Henri Pélissier (1889-1935), aufgrund seiner legendären Zähigkeit bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine der herausragendsten Persönlichkeiten der "heroischen Epoche des Radsports" und Tour de France Gewinner von 1923, lehnte sich am stärksten gegen die langen und schweren Etappen bei der Tour auf. In den ersten Jahren nach dem Krieg betrug die durchschnittliche Etappenlänge etwa 360 Kilometer. Die längste Etappe führte gar über 482 Kilometer.
Pélissier zufolge verwechselte Desgrange (Anmkg.: Organisator der Tour de France) , indem er eine derartige Streck zusammenstellte, "Härte" mit "roher Gewalt". Die Tour sei auf diese Weise ein Rennen für "Arbeitspferde"... Letztendlich sollte Desgrange einsehen, dass die Pélissiers (Anmkg.: Henri und sein Bruder Francis) Recht hatten, und die durchschnittliche Kilometerzahl pro Etappe auf 225 reduzieren. Doch dies geschah erst 1927, als Henris Karriere faktisch beendet war.
(Benjo Maso, der schweiß der götter)
Die Pélissiers waren außergewöhnliche Rennfahrer und nahmen in vielerlei Hinsicht einen äußerst wichtigen Platz in der Radsportwelt ihrer Zeit ein. Sie entwickelten zum Beispiel ganz neue Erkenntnisse auf dem Gebiet des Trainings. Ihre Kollegen versuchten noch, so viele Kilometer pro Tag wie möglich zurückzulegen, um in Form zu kommen. Die Pélissiers entdeckten, dass kurze, intensivere Belastungen oft viel wirkungsvoller sind... Sie kamen auch dahinter, dass sie während eines Rennens keinen Alkohol trinken sollten. Dies war eine sensationelle Entdeckung, denn ihre Zeitgenossen hatten nur Augen für dessen anregende Wirkung... So tranken die die Fahrer von Alcyon während Bordeaux - Paris (Anmkg.: Eintagesrennen über 600 Kilometer) eine ganze Flasche Cognac plus ein paar Gläser Weißwein, Portwein und Champagner.
(Benjo Maso, der schweiß der götter)

Ganz so schlimm ist es hier zum Glück nicht. Die folgenden Kilometer zeigen die Toskana von ihrer vielleicht schönsten Seite. Die Strecke ist wellig mit moderaten Steigungen von maximal 100 Höhenmetern. Es geht an Siena vorbei und bei Kilometer 48 ist das erste Ristori erreicht. Man tut das gut! Eine kleine Pause ist wohltuend und ich merke wie sich die Anspannung der hoch konzentrierten Fahrerei allmählich verflüchtigt.

Entspannt und fast beschwingt geht es zunächst auf einer Strada asfalta weiter. Wie angenehm! Das nächste Ristori ist bei Kilometer 91. Das ist nicht wirklich weit, aber der Weg dorthin führt über den Montalcino, gewissermaßen die Königssteigung der 205 km L'Eroica Runde. Rund fünfhundert Höhenmeter sind zu überwinden. Und zwar auf Schotterpisten. Die Rampen sind teilweise wirklich steil. Ich schätze die ärgsten Abschnitte weisen eine Steigung von um die 15 % auf. Ist der Schotter zu lose, kann man nicht einmal im Wiegetritt fahren, da das Hinterrrad nicht genügend Traktion hat und schlichtweg durchdreht. Auch hier gilt es sich auf den etwas festern schmalen Fahrspuren zu behaupten, um effektiver voran zu kommen. Nicht wenige Fahrer scheitern an diesen Passagen und schieben die schlimmsten Rampen hoch, was letztendlich auch in Ordnung ist. Glücklicherweise sind die Strade bianche kaum schlammig oder matschig, was nach dem Dauerregen des Vortages ein großer Segen ist.

Forza, forza...

Die folgende Abfahrt ist ebenso atemberaubend wie kalt (Fahrtwind). Die Aussicht über die Toskana dabei ist schlichtweg grandios. Ich kann mich kaum sattsehen. Aber richtig satt werden wir erst im nächsten Ristori werden. Ich denke alle Fahrer sehnen sich den kommenden Pausenpunkt herbei. Ich lasse auf der Abfahrt die Beine ordentlich mitpedalieren, kann aber kaum verhindern mit kalten Muskeln im Ristori anzukommen. Die Mitstreiter laufen aber ebenso steifbeinig und haben offensichtlich das gleiche Problem. Die Fast-Halbzeit der Runde wird mit einem Fahrerverwöhn- und Verköstigungsprogramm begangen.

Der bisherige Streckenverlauf war wirklich anspruchsvoll. Etwas mehr als die Hälfte der Strecke steht noch bevor. Wenngleich ich die zurückliegenden Kilometer spüre, fühle ich mich dennoch gut. Aber ich starte mit großem Respekt zum zweiten Teil der L'Eroica. Da ich eine Armbanduhr mein eigen nenne und einigermaßen Kopfrechnen kann, verzichte ich grundsätzlich auf elektronische Helferlein, wie Tachometer, am Rad. Hier bin ich jedoch vorsichtig mit dem Hochrechnen. Im Detail ist das Profil der Strecke zu schwer einschätzbar.

Der folgende Streckenverlauf ist in seinen Anforderungen deutlich weniger scharf, was ich äußerst willkommen heiße. Das Profil ist eher sanft gewellt. Oft verläuft die Route mehr oder weniger auf einer Höhe, sodass ich selbst auf den Schotterpisten sehr zügig voran komme und dabei auch noch die wunderbare Landschaft genießen kann. Die nächsten Ristori finden sich bei Kilometer 120 und 145. Das Wetter ist ideal, nicht zu kalt, nicht zu warm und vor allem trocken. Ich finde die Ristori bieten sehr gute Verpflegung und werden engagiert betrieben. Vor allem in den alten Ortskernen geht zum Teil mittelalterlich anmutend zu. Allmählich merken die Fahrer doch ihre Beine mehr oder weniger deutlich. Dennoch wird in den Pausen lebhaft geschnackt, Technik angeschaut und posiert.

Allmählich wird mir klar, warum ich vorher niemanden getroffen habe, der die große Runde fahren wollte. Es gilt wirklich eine harte Nuss zu knacken und ich bin froh auf meine Kondition von über zehntausend Kilometern in den letzten zwölf Monaten zurückgreifen zu können.
Nach der Pause bei Kilometer 145 fordern steile Rampen Tribut, noch bevor man sich wieder warm gefahren hat. Das empfinde ich wirklich als brutal. Überhaupt wird das Gelände wieder anstrengender. Hier ist ein langer Atem und vor allem ordentlich Biss gefragt. Die Gedanken schweifen zurück zur "heroischen Epoche des Radsports".
Während uns hier schlichtweg der Spaß an der Sache und der eigenen Ertüchtigung antreibt (und wir es uns leisten können), sah die Sache in "jenen Tagen" völlig anders aus. Die gesellschaftlichen Hintergründe betrachtend ist festzustellen, dass die meisten Rennfahrer aus Familien stammten, die seit vielen Generationen in Armut lebten. Ein Dasein im Wohlstand lag absolut außerhalb ihrer normalen Reichweite. Erst der Radsport bot ihnen die Chance, mehr Geld zu verdienen, als sie sich jemals hätten träumen lassen. Folglich waren sie nicht geneigt, die Verhältnisse, unter denen sie im Sattel schuften mussten, in Frage zu stellen. Somit wurden die Fahrer zum Spielball sensationslüsternder Veranstalter wie zum Beispiel Desgrange, der quasi alle wichtigen Rennen in Frankreich veranstaltete und in erster Linie das Ziel verfolgte, die Auflage der Zeitung, für die er arbeitete, zu erhöhen.
Während in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg die Fahrer noch reichlich für ihre Beschwerlichkeiten entlohnt wurden, drückten die Radhersteller und Organisatoren die Gehälter, Prämien und Preise in den 1920er Jahren massiv. Und dies, obwohl sie mehr Fahrräder verkauften denn je.
Zurück in der Gegenwart folgt der nächste Stop angenehmer Weise bei Kilometer 163. Und zwar mit einem Proviantierungsangebot, von dem die früheren Fahrer nur träumen konnten. Hier gilt es die Beine wirklich noch einmal zu gut lockern und genügend Kalorien und Flüssigkeit zu bunkern,

denn die verbleibenden 42 Kilometer weisen noch zwei Steigungen mit dreihundert und zweihundertfünfzig Höhenmetern auf. Mit den bereits absolvierten Kilometern in den Beinen sieht das im Roadbook schwer beeindruckend aus. Aber ich liege gut in der Marschtabelle und gönne mir eine entspannende Pause, bevor es wieder auf die Piste geht. Ich gehe die Sache verhalten an, da ich mit der Erfahrung der morgenlichen Kilometer noch harte Steigungsscharmützel erwarte.

Anfangs fahre ich in einer Gruppe, in der auch drei Fahrer mit Rädern aus den 1920er und 1930er Jahren unterwegs sind. Es handelt sich tatsächlich um Originalräder ! Das heißt, die Fahrer verfügen nur über zwei Gänge. Und zum Gangwechsel müssen sie anhalten und das Hinterrad aus- und wieder einbauen, da auf jeder Seite der Nabe jeweils ein Ritzel unterschiedlicher Größe montiert ist. Das sind für mich die wahren Champs der L'Eroica und ich ziehe meinen Hut vor so viel Enthusiasmus.
Letztendlich komme ich dank meines "Getriebes" schneller voran und überhole die Helden. Sie haben wirklich meine volle Bewunderung. Ich fahre selber im Winter gut zweitausend Kilometer mit starrer Nabe und habe daher mehr als nur eine ungefähre Vorstellung von der Leistung der Burschen.
Gleichzeitig kreisen meine Gedanken um eine Passage aus "der schweiß der götter" von Benjo Maso, quasi das Standardwerk über die Historie des Straßenradsportes. Desgrange hatte bereits 1920 angeordnet, dass ein Fahrer nicht das Recht habe, das Material seines Herstellers zu verschleudern. Nun war Henri Pélissier kein Mann, der sich von solchen Bestimmungen stören ließ. Die langen Tour-Etappen starteten oft vor Sonnenaufgang, wenn es noch empfindlich kalt war. Pélissier trug dann zwei Trikots übereinander und warf eines im Laufe der Etappe von sich.
1924 wurde er dabei beobachtet und es hagelte Protest mit der Aussicht auf empfindliche Sanktion. Am nächsten Tag wurde Pélissier am Start gründlich inspiziert. Wütend über diese Bevormundung startete Pélissier zwar, ließ sich aber alsbald zusammen mit seinem Bruder Francis ans Ende des Peletons zurückfallen und gab auf.
Der, seit seiner Reportage über die Zwangsarbeit in dem Bagno Cayenne, bekannte Journalist Albert Londres, verstand zwar wenig von Radrennen, hatte aber den richtigen Riecher für Neuigkeiten. Während die anderen Journalisten dem Peleton folgten, kehrte Londres um und stöberte die Pélissiers in einem Café gegenüber vom Bahnhof in Coutanches auf.
Im Folgenden erlaube ich mir Benjo Maso zu zitieren, um die Wucht der Aussage Pélissiers nicht zu verwässern. Es gibt wohl wenig Dokumente, welche die damaligen Verhältnisse besser bezeugen können. Ein Auszug des Interviews von Londres mit den Pélissiers :

"Was macht das schon, ob Sie zwei Trikots tragen ?"
"Ich könnte fünfzehn anhaben, aber ich darf nicht mit zwei starten und mit einem Trikot ins Ziel kommen."
"Warum nicht ?"
"Das steht im Reglement.Wir müssen nicht nur kämpfen wie die Tiere, sondern auch vor Kälte zittern oder in der Hitze ersticken. Das gehört, so scheint es, ebenfalls zum Sport" [...]
"Sie haben keine Vorstellung davon, was die Tour de France ist", sagt Henri, "sie ist ein Leidensweg. Dabei besteht der Kreuzweg nur aus vierzehn Stationen, der unsrige aber hat fünfzehn [...] Und die richtigen Brocken - die Pyrenäen- kommen erst noch... Wir tun das, was wir keinem Maulesel antun würden. Wir sind keine Faulenzer, aber man lege uns in Gottes Namen keine Steine in den Weg. Qualen akzeptieren wir, jedoch keine Schikanen ! Mein Name ist Pélissier und nicht Hasso oder Rex!...Ich habe mir Zeitungen unters Trikot gesteckt, bin damit gestartet und muss damit ins Ziel kommen. Falls ich sie wegwerfe, brummt man mir eine Zeitstrafe auf!...Wenn wir in der sengenden Hitze Durst leiden und fleißendes Wasser in unsere Trinkflasche füllen, müssen wir uns vergewissern, ob nicht irgendein Heinzelmännchen, fünfzig Meter weiter das Wasser für uns pumpt, andernfalls folgt Strafe auf dem Fuße. Nochmals : Wir müssen selber pumpen! Es kommt noch der Tag, an dem sie uns Blei in die Taschen stopfen, weil sie behaupten werden, dass Gott den Menschen zu leicht geschaffen hat."
Die Pélissiers ließen es nicht bei dem Interview bewenden. Ein paar Monate nach dem Zwischenfall in Coutanches gaben sie den Impuls zur Gründung der ersten Radprofi-Gewerkschaft.
(Benjo Maso, der schweiß der götter)
Mir kommt das letzte Teilstück dann viel weniger heftig vor als ich befürchtet hatte. Es ist sogar fast ein Genuss. Denn allmählich macht sich auch die Gewissheit breit, es nahezu geschafft zu haben und nicht mehr wirklich etwas befürchten zu müssen. Diese Strecke erstmals zu absolvieren ist durch ein hohes Maß an Ungewissheit über die vielen Steigungen und Rampen gekennzeichnet und man tut gut daran, sich die Kräfte gut einzuteilen. (Im Wiederholungsfall weiß man ja, was man wo zu erwarten hat...smile.)
Es ist Oktober und die Tage sind ebenso kurz wie die Dämmerung. Auf den letzen Kilometern holt mich noch die Dunkelheit ein. Aber die Stimmung in Gaiole ist fantastisch. Die Straßen sind voller Menschen und jeder Finisher wird mit Begeisterung ins Ziel applaudiert.

Ich habe in meinem Leben wahrlich schon einiges auf Rädern, und speziell auf diesem Rad erlebt, aber das hier ist schon ein ganz, ganz großer Gänsehaut-Moment. Ein Dank an die Menschen in Gaiole, die vielen fleißigen Helfer und Marco Mori & Team. Der Respekt vor den "Giganten der Landstraße" ist durch eigenes Erleben noch sehr viel größer geworden und das Gefühl tiefer Zufriedenheit schwingt noch sehr lange nach...

Im Ziel erhalten die Langstreckler unter anderem ein Flasche Chianti Classico. Und nun, im Februar 2014, da endlich auch der Bericht das Finish erreicht hat, wird der edle rote Tropfen vom L'Eroica Sponsor Baron Ricasoli mit ebenso großen Erinnerungen wie Genuss geschlürft...
Und das GAZELLE Rad hat mittlerweile eine gewisse Metamorphose durchlaufen.
zur Diashow
Wissenswertes über stillvolles Transpirieren
...kann man nicht nur in finnischen Schwitzhäusern, sondern auch auf den staubigen strada bianca, den weißen Schotterpiste der Region Chianti, in der Toskana.

(Das Foto stammt von der L'Eroica-Homepage - Aber nur so lange, bis ich eigene Fotos habe...smile)
Noch kann ich nicht mit eigenen Erfahrungen dienen. Daher folgen hier stellvertretend einige Berichte von faszinierten Teilnehmern sowie andere Veröffentlichungen.
Impressionen von der L'Eroica
> Ein eindrucksvoller Erfahrungsbericht von Carina Wolfram, erschienen in Tour 10/2012.
> Margret Hucko hat 2012 bei dem nach ihrer Aussage, schönsten und verrücktesten Radrennen der Welt teilgenommen und darüber in der Financial Times Deutschland berichtet.
> Auch DIE ZEIT hat dem Rennen einen Artikel gewidmet.
> Karl Heinz Opper vom RC Sprinter Bielfeld e.V. spricht direkt die Seele des Radsportlers an.
> Und der Link zur Homepage der Veranstalter soll natürlich nicht fehlen. Neben Informationen rund um die Veranstaltung (Reglement, Strecke...) gibt es tolle Fotos und Videos. www.eroicafan.it
Herausforderungen der L'Eroica
...mit gefühlter logarithmischer Steigerung des Schwierigkeitsgrades :
Organisatorisch - Startplatz ergattern und irgendwie in die Toskana kommen
Technisch - Das Velo muss nicht nur die strengen Auflagen des Reglements erfüllen, sondern soll auch die 205 Kilometer (zur Hälfte auf Schotter) durchstehen. Hier läßt sich ein Blick auf meine stählerne Renn-Gazelle von 1984 werfen. Dem Reglement folgend dürfen grob gesagt, Rad und Komponenten nicht jünger als 1987 sein. Aktuelle Klickpedalsysteme führen ebenso zur Disqualifikation wie moderne Sportbekleidung. Das gute alte Wolltrikot ist nicht nur schwerstens angesagt, es ist ein absolutes Muss. Also mal wieder alles retro...
Physisch - Bei der L'Eroica fährt niemand wirklich gegen die Uhr und es gibt auch keine offizielle Zeitnahme. Aber erfahrungsgemäß geht es auch bei ambitionierten Hobbyradlern ganz schön zur Sache. Immerhin gilt es geforderte Marschzeiten an bestimmten Kontrollpunkten einzuhalten. Ansonsten wird man herausgewunken. Natürlich habe ich für die große (205 km) Runde gemeldet und natürlich habe auch ich so meine eigenen Ziele und Ansprüche...smile.
Gerade unter den Bedingungen des durchaus beachtenswerten Streckenprofils sowie der Tatsache, dass etwa die Hälfte der Distanz auf dem typischen toskanischen weißen Schotter zu absolvieren ist, liegt es nahe sich wirklich ernsthaft und seriös physisch vorzubereiten. (Langdistanzen auf dem Rad sind mir zum Glück ja nicht ganz unbekannt.)
Unterm Strich folgt also alles dem Motto - "Einfach viel Spaß haben".

Streckenprofil 2012, von der Veranstalter Homepage
Hier der Verlauf der Route von 2012 mit den Asphalt- und Schotterpassagen.
Meine eigene Vorbereitung auf die L'Eroica gibt es als Monats-Blog Versuch.