
Technik
Basiswerkzeug
Pannenhilfe

Handelsüblich. Auf einem Starrgang-Rad wird man von Plattfüßen ebenso wenig verschont wie auf anderen Rennrädern.

Speziell. Bei den meisten Starrgang-Rädern werden keine Schnellspann-Hohlachsen verwendet, sondern Vollachsen mit 15er Muttern. Wer einen 15er Maulschlüssel in einer Rennrad-Satteltasche unterbringen möchte, darf sich vorab sportlich betätigen sofern er so ein Teil von Hand absägen will. Einfacher ist es natürlich das richtige Spezialwerkzeug in der passenden Dimension zu kaufen. Der Schlüssel von Surly verfügt über eine gute Auflagefläche für den Handballen und über einen Kapselheber (Flaschenöffner) auf der abgewandten Seite.

Auch so läßt sich der 15er Schlüssel mitführen. Gesehen beim 4. Kieler Tweed Run, 2014.
Luftpumpe

Für unterwegs hat sich die Blackburn-Alu-Hochdruckpumpe bewährt, welche über Flaschenhalterösen befestigt wird. (In den modernen Rahmen kann man oft keine klassische Einsteckpumpe befestigen.) Zu Hause leistet der Rennkompressor von SKS beste Dienste. Die Druckanzeige laut verschiedener Testberichte exakt und der Kopf am Schlauch ist für Sclaverand (Renn)- und Schrader(Auto, Motorrad)- Ventile geeigent.
Übersetzung

Die Frage nach der "richtigen" Übersetzung dürfte wohl so alt sein, wie die Erfindung der Fahrradkette. Während sich die Frage bei einem modernen Schaltungsrad mit 10fach-Ritzel und mindestens 2fach-Kettenrad fast erledigt, ist sie für ein Starrgang-Rad von größter Bedeutung.
Eine Entscheidung kann nur jeder individuell für sich treffen. Daher folgen nur einige Anregungen für die eigene Entscheidungsfindung.
Eddy Merckx fuhr 1972 bei seinem Stundenweltrekord eine Übersetzung von 52/14 und legte damit 7,80 m pro Kurbelumdrehung zurück. Mit einer mittleren Trittfrequenz von 104,6 Umdrehungen pro Minute schaffte Merckx 49,43 Kilometer. Das ist selbst heute längst nicht allen Profiradsportlern möglich.
Daher begeben wir uns in die Niederungen von uns Radsportnormalos. Neben der eigenen Konstitution sollte auch der Verwendungszeck des Rades bei der Übersetzungswahl berücksichtigt werden. Es ist ein deutlicher Unterschied ob ein Rad für den flotten Kurzstreckenspurt in der Stadt oder für Trainingsfahrten in welligem Gelände in windigen Gegenden eingesetzt wird.
Chris Boardman hat eigentlich alle seine Rekorde (Straße und Bahn) mit starrer Nabe erzielt. Einen Nachteil hatte er dadurch offensichtlich nicht. "Ich glaube nicht, dass mich das in irgendeiner Weise begrenzt hätte. So lange du ein angemessenes Trittfrequenzspektrum von 90 bis 130 U/min hast, bietet ein Fixie weit mehr Vor- als Nachteile."
Das bringt die Sache auf den Punkt. Und darin lag ja auch die Idee des Wintertrainings mit der starren Nabe. Auch heute sind immer wieder Hobby-Radsportler zu beobachten, die im Winter kaum auf dem Rad sitzen und viel zu früh in der Saison deutlich zu dicke Gänge fahren, was dann zum sogenannten "Osterknie" führen kann. (Gemeint ist ein durch Überlastung dickes Knie zu Ostern).
Die überwiegende Anzahl von Fixies, die als Kompletträder an der Ladentheke vorbei geschoben werden, weisen Übersetzungsverhältnisse von 46/16 bzw 48/16 auf. Dies entspricht 6,04 bzw 6,30 Meter/pro Kurbelumdrehung (im folgenden kurz "m" genannt). Für den Großstadtkurzstreckensprint mag das in Ordnung gehen, aber wer sein Rad einem breiteren Nutzungsspektrum zuführen möchte, sollte meines Erachtens über ein Umritzeln nachdenken. Ansonsten gibt es auch mitten im Sommer ein "Osterknie". Und es besteht die Gefahr, dass jemand sein Fixie frustriert in die Ecke stellt.
Meine Erfahrung hat mich zu einem Übersetzungsverhältnis um 42/18 bzw 4,90 m gebracht. Adäquat wäre bei einem 46er Kettenblatt ein 20er Ritzel zu montieren (oder z.B. 48/21). Wenn man damit über Land bei jedem Wetter unterwegs ist, muss man das erst einmal über längere Zeit rund pedalieren. (Ich bin damit sogar einmal die Taunus-Hochstraße etwa bis zur Hälfte hinauf gefahren....aber das ist eine andere Geschichte.)
Beherzigt man die Empfehlung Chris Boardmanns hinsichtlich des Trittfrequenzsektrums, was ich nur unterstützen kann, ergeben sich ganz passable Möglichkeiten.
Trittfrequenz - Geschwindigkeit bei 48/21
U/min 90 100 110 120 130
km/h 25,9 28,8 31,7 34,6 37,4
Und wenn man im Frühjahr gut drauf ist, kann man ja beim Ritzel einen Zahn weglassen.
In jedem Fall konnte ich manche Hobby-Rennradler spätestens dann in ungläubiges Staunen versetzen, wenn ich mich mit meinem Starrgang-Rad in einer Gruppe ganz normal an der Führungsarbeit beteiligt habe. (Zugegebener Weise fällt mir das bei starkem Gegenwind allerdings deutlich leichter als bei heftigem Rückenwind...)
In diesem Sinne, viel spaß beim Fixie-Fahren.
"Ride it like you stole it"
Haltbarkeit
Mit den italienischen Miché Komponenten bin ich bisher super zufrieden. Die Bahn-Naben und die Kurbelgarnitur mit dem entsprechenden Innenlager laufen super. Das Kettenrad zeigt Verschleißerscheinungen innerhalb des normalen und zu erwartenden Bereichs.
Anders verhält es sich mit dem Ritzel. Für das sehr praktikable aufschraubbare Miché-Ritzel-Stecksystem gibt es oberhalb von 18 Zähnen ausschließlich CNC-Alu-Ritzel. Auf der Bahn mag das gut funktionieren, aber beim (quasi) Allwettertraining im Winter ist das Ritzel schnell abgearbeitet. Die sich recht schnell längende Miché-Kette trägt ihr übriges dazu bei. Nach rund 3.000 Winter-Kilometern war das Set völlig runtergewirtschaftet.
Um Abhilfe zu schaffen trägt das Winterrad nun ein poliertes Edelstahlritzel von Phil Wood (fast zu schön zum Montieren). Die Kompatibilität von Naben- und Ritzelgewinde ist gegeben und der Miché-Lockring kann weiterhin verwendet werden.

Desweiteren sorgt nun eine Izumi-Kette für die Kraftübertragung. Die Kombination macht einen super soliden Eindruck und ich werde berichten, wie sich die Sache nach 3.000 km verhält.
